WAS IST TEILEARBEIT ?

 

 

Unter Teilearbeit versteht man in der Psychotherapie im allgemeinen den therapeutischen Umgang bzw. Zugang zu den verschiedenen Persönlichkeitsanteilen eines Klienten.

 

Die innere Wirklichkeit eines Menschen besteht – entgegen der Vorstellung von einem einzigen, klar definierten Ich – aus einer Vielzahl von Persönlichkeitsanteilen, die durch mehr oder weniger durchlässige Grenzen voneinander getrennt sind. Im Normalfall sind diese Persönlichkeitsanteile in einem gut organisierten Verhaltens- und Erfahrungssystem eingespielt, selbst dann, wenn sie sich gelegentlich widersprechen sollten. Sie sind bewusst, integriert, nutzbar und regulierbar, auch wenn die Psyche einmal unter Druck gerät.

 

Ist dies nicht der Fall, verdichten sich die Grenzen zwischen den einzelnen Persönlichkeitsanteilen. Es entstehen innere Widerstände und Blockaden, die in der Regel als statisch und kräftezehrend wahrgenommen werden. Dauern diese „inneren Kriegszustände“ an, können daraus heikle Belastungszustände entstehen wie Depressionen, Süchte, Ängste und andere. In besonders schweren Fällen können unerwünschte Persönlichkeitsanteile sogar ganz abgespalten und ins Unbewusste verdrängt werden, wo sie eine zerstörerische Eigendynamik entwickeln.

 

An diesem Punkt setzt die Systemische Therapie mit der Teilearbeit an. Ziel ist es, sämtliche Persönlichkeitsanteile ins Bewusstsein zurück zu holen und an ihrem Platz im  Ich zu integrieren. Dabei geht es wesentlich darum, auch ungeliebten, lästigen oder angsteinflößenden Persönlichkeitsanteilen ihren sinnvollen Platz im System zu geben, wo sie, wenn sie  richtig  genutzt werden, durchaus auch als Ressource dienen können. Ebenso sollen verletzte und verletzliche Persönlichkeitsanteile liebevoll integriert werden, indem ihnen ein „sicherer“ Ort im eigenen Selbst geschaffen wird.

 

Teilearbeit wird insbesondere in der Traumatherapie seit vielen Jahren erfolgreich eingesetzt. Sie kann aber auch in einer einfachen Beratung wahre Wunder wirken, wenn es darum geht, die Stärken und Ressourcen in einem System zu lokalisieren und in ein gutes Verhältnis zu den Widerständen zu setzen.

 

Obwohl die  Teilearbeit durch den hypnosystemischen Ansatz der Inneren Familie oder  des Inneren Parlaments zu einiger Popularität gelangt ist, ist sie doch keine „Erfindung“ der Systemischen Therapie. Schon Sigmund Freud ging zu Beginn des letzten Jahrhunderts davon aus, dass die Psyche des Menschen dreigeteilt sei (Ich – Es – Über-Ich). Etliche psychotherapeutische Schulen haben diesen Grundgedanken aufgegriffen und modifiziert, bis hin zur modernen Ego-State-Therapie von John und Helen Watkins und Paul Federn.

 

 

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