Die Partnerschaft als Gesundheitsfaktor

 

Eine glückliche und stabile Partnerschaft hat auf die Gesundheit und Lebenserwartung großen Einfluss. Zahlreiche Studien belegen: Wer in einer guten Beziehung lebt, wird weniger oft und weniger schwer krank und lebt deutlich länger. Umgekehrt ist ebenso bewiesen: Permanenter Ehekrieg macht krank.

 

Gefühle beeinflussen sowohl die körperliche als auch die seelische Gesundheit. Stress und Entspanntheit, Angst und Optimismus, Frust und Glück – jedes Gefühl findet auch in körperlichen Vorgängen ihren Niederschlag.

 

Gefühle als Gesundheitsdeterminante

 

„Viele Studien haben eindrucksvoll bewiesen, dass die wenigsten Krankheiten schicksalhaft über den Menschen hereinbrechen. Die Körperfunktionen werden zum einen von außen beeinflusst, wie etwa durch Ernährung und Bewegung, zum anderen aber auch von innen. Immunsystem, Herz, Blutgefäße, Hormonhaushalt und Stoffwechsel sind im hohen Ausmaß von Gefühlen abhängig“, sagt Autor Christian Skalnik. Er hat gemeinsam mit dem Mediziner Prof. Dr. Siegfried Meryn zahlreiche Studien gesichtet und kam dabei zum Ergebnis: „Eine gute Partnerschaft schafft eine gute und dauerhafte Gefühlslage. Das hat gravierenden Einfluss auf unsere Gesundheit. Für die Lebenserwartung ist sie ebenso bestimmend wie das Rauchen.“

 

Ehekrieg macht krank

 

Permanenter Ehekrieg dagegen schadet der Gesundheit, denn er bedeutet nichts anderes als Dauerstress. Die Folgen von chronischem Stress sind bekannt: Hoher Blutdruck, Herz-Kreislauferkrankungen, Rückenschmerzen, erektile Dysfunktion, Depressionen und vieles mehr.

 

Eine unglückliche Partnerschaft fördert die Entstehung psychosomatischer Krankheiten. „Es ist auch Dauerstress für die Seele, wenn man ständig Messerspitzen in Form von Kränkungen ins Herz gerammt bekommt. Man versucht sich zwar davor zu schützen, aber es gelingt nicht, weil man sich doch eigentlich Liebe und Zuwendung erwartet. Die Hoffnung und Sehnsucht nach Liebe bietet dem Partner eine gute Angriffsfläche. Habe ich jedoch keine Hoffnung mehr und mir einen dicken Schutzpanzer zugelegt, mag vielleicht keine Kränkung mehr durchkommen, aber es erreichen mich auch keine positiven Emotionen mehr. Ich bin dann frustriert oder verbittert. Das führt dann schnell zu psychosomatischen Erkrankungen“ erklärt die Psychologin Mag. Beate Handler.

 

Streit muss sein

 

Dauerstress in Form eines täglichen Kleinkrieges schadet der Gesundheit. Das bedeutet aber nicht, dass eine Partnerschaft stets völlig harmonisch sein muss, damit sie gesundheitsfördernd ist. Im Gegenteil: Ein Zuviel an Harmoniebedürfnis ist einer stabilen Beziehung abträglich. „Eine gute Partnerschaft bedeutet nicht, nie zu streiten, sondern die Fähigkeit zu Konfliktlösung und einer guten Streitkultur“, erklärt Handler. „Studien zeigen, dass Paare, die zwar heftig streiten, aber beim ersten versöhnlichen Anzeichen des anderen einlenken, eine glückliche und stabile Partnerschaft über Jahre aufrecht erhalten können“, ergänzt Skalnik.

 

Richtig streiten

 

Tipps der Psychologin Beate Handler zur richtigen Streitkultur:

Nie unter die Gürtellinie schlagen: Keine Abwertungen, keine Kränkungen, die in Richtung Schwachpunkte abzielen. Artikulation von konkretem Ärger anstatt pauschale Anklagen. „Ich ärgere mich über“ anstatt „Du hast das und das gemacht.“

Beide Partner sollten nachgeben können. Wenn das während des Streits nicht gelingt, zeigt es von Reife, wenn man etwas später zum Partner geht und ein „Friedensangebot“ in Form einer Berührung, eines Lächelns, netter Worte oder eines Kusses macht.

 

Humor hilft, wenn es einer ist, der für beide Partner passt. Wenn ich mich selbst nicht zu ernst nehme und über mich auch in „Akutsituationen“ lachen kann, kann ich auch über einen Streit lachen. Doch Vorsicht! Das bedeutet nicht, den Partner auszulachen, sondern über die eigene Person und die Situationskomik zu lachen.

 

Während anlassbezogenes Streiten also durchaus Sinn macht, schadet eiszeitliches Schweigen der Beziehung und der Gesundheit. „Ein kalter Ehekrieg, in dem jeder seine Wut in sich hineinfrisst, macht erwiesenermaßen krank. Der alltägliche Krieg in der Beziehung kann sich auf das Immunsystem ähnlich auswirken wie traumatische Kriegserlebnisse“, so Skalnik.

 

Partnerschaft als Gesundheitscoaching

 

Wo Menschen füreinander da sind, findet immer auch eine Art Gesundheitscoaching statt. „Partner haben ein Auge darauf, dass sich der andere nicht überfordert und bieten, wenn nötig, Unterstützung an“, sagt Skalnik. Ein simples „Schatz, wie geht es dir?“ signalisiert Anteilnahme am Leben des anderen und reduziert Stress. „Ein wertschätzendes und liebevolles Miteinander, Achtung vor der Individualität des Partners, sich an Erfolgen mitfreuen können, Zuhören können und Anteil nehmen, all das beutet eine aktive Förderung der Gesundheit des anderen. Menschen die über diese Skills verfügen, betreiben unbewusst Gesundheitschoaching“, sagt Handler.

 

Vor allem für Männer hat sie den Tipp: „Stetige kleine Aufmerksamkeiten zeigen eine enorm wichtige Wertschätzung des Partners. Das muss nicht unweigerlich etwas Materielles sein. Es soll zu erkennen sein, dass ich an meinen Partner denke. Das kann eine Lieblingsmehlspeise vom Bäcker sein ebenso wie das Wegräumen des leeren Tellers. Es beinhaltet auch, den Partner mit seinen kleinen Macken zu mögen.“

 

Männer profitieren stärker

 

Ein intaktes Familienleben fördert gesündere Lebensformen. Männer profitieren von einer Partnerschaft stärker als Frauen. „Viele Studien belegen: Männer profitieren in Sachen Gesundheit und Lebenserwartung selbst dann noch, wenn die Euphorie der ersten Jahre einer zufriedenen Gewohnheit gewichen ist“, sagt Skalnik. Verheiratete Männer haben niedrigere Blutdruck- und bessere Cholesterinwerte als Single-Männer. Sie leiden seltener an schwerem Stress und sind körperlich aktiver.

 

Die Gesundheit der Männer profitiert durch eine Partnerschaft auch deswegen, weil sie als Singles häufig ungesund leben. Ohne Partner trinken sie tendenziell zuviel Alkohol, rauchen und bewegen sich zuwenig. All dies ändert sich bei Männern häufig, sobald sie eine stabile Partnerschaft eingehen, während viele Frauen auch als Singles durchaus gesund leben.

 

Frauen profitieren von einer Partnerschaft gesundheitlich in einem geringeren Ausmaß, da sie den Hauptanteil der Beziehungsarbeit leisten und mehr Empathie einbringen als Männer.

 

Bei diesem Artikel handelt es sich um ein Gastbeitrag der Seite www.online-doktor24.com

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