In dieser Übung geht es darum, in einer besonderen Form der Umarmung den Körperkontakt zur Partner*in wahrzunehmen, die Aufmerksamkeit aber zum eigenen Körper und zu den eigenen Gefühlen zu lenken. Ihr übt die Fähigkeit, im direkten Kontakt mit dem Gegenüber in der eigenen Mitte zu bleiben, bewusst in sich hinein zu spüren, an sich selbst festzuhalten und in diesem Kontakt vollkommen zu entspannen.
a) Auf den eigenen Füßen stehen
Ihr stellt euch gegenüber. Jede*r steht ganz bewusst auf seinen eigenen Füßen, in der eigenen Mitte.
b) Augenkontakt aufnehmen
Schaut euch direkt in die Augen. Das mag sich zu Beginn etwas ungewohnt anfühlen, stellt aber den unmittelbaren Kontakt zwischen euch her und fühlt sich mit einiger Übung auch selbstverständlicher an.
c) Sich umarmen
Ihr kommt euch langsam näher und legt so die Arme um den jeweils anderen, dass jede*r noch gut verankert auf den eigenen Füßen steht.
d) Aufmerksamkeit für sich selbst
Jede*r geht jetzt mit der ganzen Aufmerksamkeit zu sich selbst. Nimm deine Körperempfindungen wahr, deine Gefühle, deine Gedanken. Wenn deine Gedanken abschweifen, kehre mit deiner Aufmerksamkeit immer wieder zu dir selbst zurück. Du spürst zwar den Körper des anderen, aber deine Aufmerksamkeit ist ganz bei dir. Du hältst dich selbst mit der Umarmung deiner Partner*in fest.
e) Beruhige dich, entspanne dich
Dann nimm dir Zeit in dich hineinzuspüren: Wo bist du aufgeregt? Wo bist du angespannt? Lass dich ganz bewusst in die Bereiche gehen, wo du die Aufregung und die Anspannung spürst und lasse sie ruhiger werden. Du kannst dazu in die Bereiche sanft hineinatmen oder dir auch sagen: Ich werde ruhiger, ich entspanne mich.
f) Umarmung beenden
Wenn du schließlich fühlst, dass du tief entspannt bist, spürst du vielleicht einen Impuls, die Umarmung zu beenden. Scheue dich nicht, deinem
eigenen Impuls zu folgen.
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Nehmt euch vor, die Übung so häufig und so lange wie möglich zu
machen. Schaut, wie oft sich sie sich ergibt, wer sie häufiger initiiert und wie lange ihr die Umarmung gut halten könnt.
Die »Umarmung bis zur Entspannung« soll deutlich machen, dass die Verbundenheit mit der Partner*in einen stabilen und sicheren Kontakt mit dir selbst voraussetzt. Nur wenn du in dir zu Hause bist, kann der andere dir begegnen.
In der »Umarmung bis zur Entspannung« stehst du in Verbindung mit der Partner*in allein. Es geht darum, in dir selbst einen Ruhepunkt zu finden und zu halten, während du im Kontakt mit dem anderen bist. Wenn dir das in der Begegnung gelingt, bist du nicht ständig damit beschäftigt, zu erraten was der andere denkt oder ob sie sich unwohl fühlt. Anstatt in dieser Unsicherheit nervös zu werden, kannst du innere Ruhe finden und gleichzeitig eine innige Verbundenheit mit deiner Partner*in erleben.
Die Übung »Umarmung bis zur Entspannung« geht auf den amerikanischen Sexualtherapeuten Dr. David Schnarch zurück, der sie in seinen sehr lesenswerten Büchern Die Psychologie sexueller Leidenschaft und Intimität und Verlangen ausführlich beschreibt.
